Unplugged – eine ganz persönliche Geschichte

Das Leben läuft nicht nach Plan. Es kommt alles immer ganz anders als gedacht.

Genau aus diesem Grund schreibe ich heute über das, was gerade dran ist und nicht das, was ich ursprünglich schreiben wollte.

Ich schreibe über meine persönlichen Gedanken, meine persönliche Situation, meine Herausforderung, die mir das Leben gerade stellt und was sie mir wohl sagen möchte. Hinter dieser Situation steckt so viel Selbstbestimmung und Freiheitsgefühl, von daher ruft es mich direkt, darüber zu berichten.

Ich befinde mich gerade in der 36. Schwangerschaftswoche. Bislang konnte ich eine absolut reibungslose Schwangerschaft genießen. Ich kann mich wirklich über nichts beklagen. Mir war nie übel, ich konnte jederzeit sportlich aktiv bleiben, in die Berge gehen, ich hatte wirklich gar nichts. Klar, mittlerweile merke ich im Rücken ein wenig die neue Gewichtsverteilung, aber das ist auch schon alles. Alles in Allem wahrscheinlich die Wunschschwangerschaft. Nachdem ich letztes Wochenende meinen Geburtsvorbereitungskurs gemacht habe, war ich voller Vorfreude auf die Geburt. Auf diese unglaubliche Erfahrung, die der Körper macht. Wirklich mal zu sehen, was der Körper eigentlich wirklich kann. Dass mein Körper sehr belastbar ist, das weiß ich auch so, aber diese Herausforderung ist wahrscheinlich die größte und gleichzeitig die mental forderndste, die es gibt. Ich war willends und hoch motiviert, genau diese Erfahrung zu machen und meinen Körper dabei einfach nochmal ganz neu kennenzulernen.

Tja, und nun eine Woche stand ich plötzlich da. Ratlos und verunsichert. Nachdem ich eine sehr harte Gebärmutter habe und ein Ertasten des Babys leider nicht eindeutig die Kindslage bestimmen konnte, musste ich einen zusätzlichen Ultraschall machen. Ich habe während der ganzen Schwangerschaft einzig auf mein eigenes Körpergefühl vertraut und mich auch ausschließlich von meiner Hebamme betreuen lassen, aber dieser zusätzliche Ultraschall war unausweichlich. Mit der zunehmenden Vorfreude auf die Geburt wuchs auch mein Wunsch, die Geburt möglicherweise doch nicht im Krankenhaus sondern zuhause in meiner gewohnten Umgebung zu machen. Dieser Gedanke wurde mir von Tag zu Tag sympathischer. Ich habe alles mit meiner Hebamme besprochen, sie wollte es mir möglich machen, trotz ihres vollen Terminkalenders im Dezember und dann die ernüchternde Nachricht im Ultraschall: der kleine Zwerg sitzt noch immer in Beckenendlage in meinem Bauch und die Wahrscheinlichkeit einer Drehung erachtet sowohl der Arzt als auch die Hebamme als nicht sonderlich groß, da es Faktoren gibt, die dagegen sprechen. Erstens die extrem harte Gebärmutter, die dem Kind relativ wenig Bewegungsspielraum gibt und dazu kommt, dass die Fruchtwassermenge in meiner Gebärmutter eher geringer als zu viel ist, was dem Kleinen natürlich nicht gerade dabei hilft, doch noch eine Drehung zu vollziehen.

Die Hebamme hat mir gut zugeredet und mir Mut gemacht, alles Mögliche zu tun, um den kleinen Mann doch noch zu einem Purzelbaum zu bewegen. Sie hat mir alle klassischen Techniken nahegelegt, die man versuchen kann, um die Drehung doch noch herbeizuführen. Gleichzeitig wurde ich sowohl über die Möglichkeit eines Kaiserschnitts aufgeklärt und dass eine Spontangeburt aus Beckenendlage möglich ist. Diese wird von meinem Arzt auch tatsächlich durchgeführt, allerdings gibt es hierbei nicht unwesentliche Risiken.

Zunächst haben wir vereinbart, dass ich in 3 Wochen nochmal komme und wir dann erneut schauen, ob sich die Kindslage bis dahin verändert hat. Mehr kann man zum jetzigen Zeitpunkt ja auch nicht machen. Ich bin etwas verwirrt aus dem Krankenhaus gegangen, aber trotzdem zuversichtlich, dass sich der Kleine doch noch von selbst drehen wird. Ich dachte mir, der wird schon wissen, wie es geht und vielleicht braucht er einfach eine Sondereinladung zum Drehen, wahrscheinlich ist er der gleiche Dickschädel wie ich. Und falls nicht – so mein Gedanke – dann wird hoffentlich der Arzt sagen „Frau Kastenmeier, das ist mir zu heiß, das mach ich nicht!“, so dass sich die Frage für mich gar nicht stellt, was ich jetzt machen werde. Mit diesen Gedanken bin ich am Freitag relativ friedlich schlafen gegangen.

Nachdem ich mir allerdings am Samstag morgen ein paar Berichte zu Beckenendlagengeburten angeschaut und durchgelesen habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.
Mir ist klar geworden, dass es kein Zufall ist, dass genau ICH vor dieser Herausforderung stehe.
Es ergibt einfach komplett Sinn, dass ich mit einer Beckenendlagengeburt konfrontiert werde.
Mir ist bewusst geworden, dass ich es zwar weiterhin versuchen kann, die Drehung zu erzwingen, aber es wird nicht passieren.
Ich habe verstanden, dass sich für mich nicht die Frage stellen wird, entbinde ich zu Hause oder im Krankenhaus, sondern die Frage wird sein, entbinde ich die Beckenendlage natürlich oder per Kaiserschnitt.
Es kann auch kein Zufall sein, dass ich mir unbewusst ein Krankenhaus ausgesucht habe, in dem man Erfahrung mit Beckenendlagengeburt hat.
Es kann auch kein Zufall sein, dass ich tatsächlich (und das ist bei mir keine Selbstverständlichkeit) einen Arzt gefunden habe, der mein Vertrauen hat und gleichzeitig von einer Hebamme begleitet werde, die ebenfalls genau meine Gedanken teilt.
Sowohl der Arzt als auch die Hebamme weisen mich darauf hin, dass das Gelingen einer Beckenendlage hauptsächlich davon abhängt, wie sehr ich meinem Körper vertraue, wie stark meine Nerven sind, wie gut ich in Extremsituationen Ruhe bewahren kann und ob ich in der Lage bin, mich zu 100 % auf diese Herausforderung einzulassen, denn das Schlimmste was passieren kann ist, dass ich die Nerven verliere, wenn das Kind mit dem Körper schon raus ist. Dann gibt es kein Zurück mehr, dann muss der Kopf noch durch das Becken hindurch, unabhängig davon, wie ich es mir emotional gerade geht. Ein Kaiserschnitt ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich und auf meine Nerven hat der Arzt und auch die Hebamme keinen Einfluss. Die Risiken, die der Arzt dabei aufzählt, führen wahrscheinlich dazu, dass ein Großteil aller Frauen doch den Kaiserschnitt wählen. Und ich muss zugeben, ich kann es nachvollziehen. Es ist wirklich nicht ohne!

Wenn ich über das alles nachdenke, dann ergibt auf einen Schlag alles einen Sinn. Es ergibt einen Sinn, dass ausgerechnet ich vor dieser Wahl stehe. Das komplette Jahr ist schon davon geprägt, 100%iges Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen und auf das eigene Gefühl zu vertrauen. Ich stehe wieder vor einer Situation, die ich mit meinem Kopf nicht lösen kann. Mir fällt wie Schuppen von den Augen, dass ich mir gestern noch den denkbar einfachsten Weg ausgesucht habe, indem der Arzt für mich entscheidet. Ich laufe quasi davon. Ich stehle mich aus meiner Eigenverantwortung. Ich handle fremdbestimmt. Genau das, was ich ja überhaupt nicht möchte. Ich möchte die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, was für mich und mein Kind der richtige Weg ist.

Ich bin schon immer ein sehr rational geprägter Mensch und daher ist es gar nicht so einfach für mich, hier den Kopf auszuschalten und rein nach meinem Gefühl zu gehen. Anscheinend will mir genau das Thema „Schwangerschaft“ diese Lektion beibringen. Angefangen mit dem unerwarteten Schwangerschaftsabgang im Januar diesen Jahres in der 12. Woche, der mir damals schon gezeigt hat, dass ich mich auf mein Gefühl verlassen kann, da ich intuitiv von Anfang an wusste, dass irgendwas nicht stimmt und es lediglich der Kopf nicht wahrhaben wollte. Dann die jetzige Schwangerschaft, in der ich mich vom ersten Tag komplett auf mein Gefühl verlassen konnte. Ich war nie von Ängsten und Sorgen geplagt, dass irgendwas nicht stimmen könnte und kontrolliert werden müsste. Ich wusste es im Gefühl, dass alles stimmt. Und jetzt, die Geburtsfrage: es erscheint mir fast ein bisschen wie meine persönliche Meisterprüfung. Die Meisterprüfung, ob ich verstanden habe, dass mein Körper ein Wunderwerk ist und dass er auch diese Hürde nehmen kann. Ich kann nicht leugnen, dass ich eine Heidenangst davor habe und genau das macht es zu dieser absoluten Prüfung. Wenn ich eins weiß, dann das meine große Stärke meine mentale Konstitution ist. Ich weiß, dass meine Nerven sehr stark sind, ich weiß, dass ich selbst in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahren kann und ich weiß, dass mein Kopf mitspielen wird. Die Herausforderung für mich wird sein, diese mentale Stärke in das Vertrauen in den eigenen Körper zu bringen.

Tja, da stehe ich gerade. Hin und hergerissen, aber dennoch um eine Erkenntnis reicher. Es kommt immer genau das zu uns, was zu uns kommen soll und das Leben hat die richtigen Aufgaben. Es liegt an uns selbst, wie wir damit umgehen und was wir daraus machen.

Aktuell nehme ich mir den Druck einer Entscheidung und versuche alles auf mich zukommen zu lassen. Ich bin davon überzeugt, dass mir mein kleiner Zwerg am Geburtstermin sagen wird, was richtig ist. Er wird mir sagen, wann er raus will und dann wird mir meine Intuition sagen, was zu tun ist. Davon bin ich überzeugt.

In jedem Fall werde ich selbstbestimmt und aus meinem Gefühl heraus handeln!

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