Vertrau ich schon oder kontrollier ich noch?

Wirklich zu vertrauen heißt auch, anzunehmen und zu akzeptieren, wenn man auf den Ausgang einer Situation gar keinen Einfluss hat und trotzdem die innere Überzeugung besitzt, dass am Ende alles gut werden wird.

Ich stelle gerade fest, dass das gar nicht so einfach ist, weil ich unterbewusst doch immer wieder ein Hintertürchen suche, um doch ein bisschen kontrollieren zu können, was geschieht. Jetzt stehe ich gerade vor einer Aufgabe, auf deren Ausgang ich tatsächlich keinerlei Einfluss habe. Ich habe es nicht in der Hand und auch keine Möglichkeit den Ausgang irgendwie in die Richtung zu lenken, die ich mir wünsche.

Es ist wahres tiefes Vertrauen gefragt und mir wird klar, dass diese Aufgabe aus einem ganz bestimmten Grund zu mir gekommen ist. Mein Vertrauen ist schon stark, aber eben noch nicht so weit, wie ich es gedacht habe. Komplett jegliche Kontrolle abzugeben, kannte ich bislang in dieser Form noch nicht. Um diese Lektion zu lernen musste ich erst 36 Jahre alt werden und kurz vor der Geburt meines Kindes stehen.

Ich musste immer schmunzeln, wenn man mir gesagt hat, ein Kind zu gebären ist der größte und einschneidendste Schritt im Leben einer Frau, aber ich fange an zu verstehen, was damit gemeint ist. Von den körperlichen Veränderungen mal abgesehen, ist es mental eine ganz besondere Herausforderung, wenn man sich bewusst den Aufgaben stellt, die im Laufe einer Schwangerschaft auf einen zukommen. Damit meine ich nicht, sich den Umständen zu fügen, sondern wirklich zu erkennen, was der tiefere Sinn einer Situation ist und sich diesem Sinn zu stellen.

Ich meine damit, genau zu hinterfragen, was will mir mein Kind oder die Natur gerade sagen, wenn sie mich vor gewissen Hürden stellt und sich mit diesen bewusst auseinanderzusetzen.

Es ist eine Einladung des Lebens an die Eigenverantwortung und Selbstreflexion, die wir leider viel zu oft nicht erkennen, weil wir uns auf die Meinungen von außen verlassen, uns sagen lassen, was zu tun ist, welche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden können und wie wir die Verantwortung maximal an andere übertragen können.

Anstelle diese Einladung anzunehmen, lassen wir uns viel zu oft unserer Freiheit und Selbstbestimmung berauben, weil uns das Vertrauen in die Natur und unseren Körper immer mehr geraubt wird.

Uns wird suggeriert, dass wir bei kleinsten Abweichungen von der Norm am sichersten fahren, wenn wir die Verantwortung aus der Hand geben und lieber anderen Menschen vertrauen anstatt uns selbst und dem was uns die Natur mit auf den Weg gegeben hat.

Und so stehen wir irgendwann da, werden geleitet von den Empfehlungen anderer, folgen dem was in unserer Zeit als „normal“ angesehen wird, unterziehen uns unnötigen Operationen und medizinischen Eingriffen, um vermeintlich auf der „sicheren Seite“ zu sein.

Gerade in Bezug auf Schwangerschaft und Geburt ist das wirklich tragisch, weil wir dabei komplett vergessen, dass der natürliche Verlauf in Wahrheit normal ist und wir evolutionär mit allem ausgestattet sind, was nötig ist, um ein Kind sicher und artgerecht ins Leben zu begleiten.

Das trifft wahrscheinlich noch auf viel mehr Situationen im Leben genauso zu, aber nachdem ich selbst gerade an diesem Punkt stehe, fällt es mir hier eben im Moment am deutlichsten auf.

Hast Du eine ähnliche Erfahrung gemacht?

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